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Vorwort

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Heide Wroblewski
(geboren 1939 in Stettin )

Forsetzung im Januar 2007 in Las Casillas.

< erstes Porträt-Gespräch

Wann ist deine Mutter gestorben?
Am 21. November. Ich denke gerade dran, dass ich sie genau vor zwei Monaten das letzte Mal lebend gesehen habe. Ich bin am nächsten Morgen angerufen worden, dass sie gestorben ist.
Es war eine ganz ungewöhnlich schlechte Zeit hinterher für mich. Ich hätte nie gedacht, dass mich der Tod meiner Mutter so trifft, weil es ja für sie eine Erlösung war. Sie ist die letzten drei Monate nur noch dahinvegetiert, war kaum mal wach, hat mich vielleicht wahrgenommen, denn ich war ja jeden Tag da, manchmal hatte ich das Gefühl, aber ich war nie sicher.
Ein einziges Mal hat sie auf irgendwas, was ich ihr erzählt habe oder was ich gefragt habe, ja gesagt.
Hast du sie gesehen, als sie tot war?
Nein, wollte ich nicht. Das hatte ich bei meinem Vater erlebt. Ich wollte ihn nochmal sehn und dieses veränderte Bild von meinem Vater, das ist mir so lange nachgegangen. Ich wollte meine Mutter so in Erinnerung behalten, wie sie gelebt hat. Wie sie für mich gelebt hat.
Es ist eine tiefe Ruhe in mir.
Was ich noch nachfragen wollte, wie war das für dich mit deiner Mutter zum Schluß, war das eine Last für dich?
Natürlich war das eine ganz starke seelische Last. Das Gefühl zu haben, es geht ihr nicht gut und garnichts tun zu können. Das einzige, was ich tun konnte, war ja, dass ich dann kam und sie eine halbe Stunde oder Stunde gestreichelt hab, ihr irgendwas erzählt hab, was ich in der Zeit drumherum getan habe, mit wem ich zusammen war, was wir gekocht haben und was wir gegessen haben, alles habe ich ihr erzählt, damit da immer ein Fluß war.

Ich hab natürlich in der Zeit ungeheuer viel gegeben. Und da war plötzlich ein Loch. Da wußte ich nicht mehr, wo ich meine Liebe hingeben sollte.
Das war dann ein Verlust.
Ich war sehr traurig.

Ich fühle mich frei.

Hinzu kam dann ja auch, dass mit dem Tod meiner Mutter die Beziehung mit dem Freund zu Ende gegangen ist. Er hat sich da von einer Seite gezeigt, die dieses tiefe Gefühl, das ich für ihn hatte, zerbrochen hat. Das war dann ein doppelter Verlust. Das hatte ich ähnlich schonmal erlebt und wollte sowas eigentlich nie wieder erleben. Vielleicht hat mich deswegen auch dieser doppelte Verlust so gebeutelt.

Hat er sich von dir getrennt?
Ich habe mich von ihm getrennt
Nachdem ich gemerkt habe, dass da zwar noch ein sympathisches Gefühl für ihn ist, dass ich ihn noch mag, aber dass ich diese Beziehung, die immer auf und ab ging, nun nicht mehr möchte.

Und wie geht’s dir jetzt heute nach zwei Monaten?
Es ist eine tiefe Ruhe in mir zur Zeit, nichts Wildes. Und im Moment brauche ich auch diese Ruhe, um mich selbst wieder und auch neu zu finden. Aber ich fühle mich frei.

Ich hätte nie gedacht, dass mich der Tod meiner Mutter so trifft.
Meine Mutter hatte sich eine Feuerbestattung gewünscht. Das dauert ja immer etwas länger. Und nachdem die Bestattung dann endlich vorbei war…also dieser Tag war nochmal ganz schlimm, und ich habe mir gewünscht, ich müßte den Tag nicht erleben…als der Tag dann vorbei war, war ich auch ruhiger und in mir ruhender. Und seither geht es mir von Tag zu Tag besser.
Ich fühle mich frei.
Es war auch noch sehr schwer, jeden Tag diese ganzen Geschichten, finanzielle Geschichten und behördliche Geschichten mit meiner Mutter abzuwicklen. Da kamen jeden Tag, aber wirklich jeden Tag, irgendwelche Dinge, und ich hatte das Gefühl, das hört nie auf. Inzwischen kann ich damit auch besser umgehen.
Da ist noch einiges abzuwicklen, aber da sieht man doch mal wieder, dass auch die Zeit Wunden heilt.