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Brigitte
Weber
(geb. 1947 in Köln) |
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| Brigitte
Weber arbeitet als Sozialpädagogin und
auch immer wieder als Handwerkerin und Künstlerin. |
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Als
Künstlerin ist sie oft über viele Monate hinweg
nicht aktiv, weil anderes, nämlich Geldverdienen,
wichtiger ist.
Brigitte macht wunderbare Glas und Spiegelarbeiten. Und
seit ein paar Jahren arbeitet sie mit Holz, holt aus Holzstücken
Figürliches raus.
Das Gespräch fand im November 2005 nach einem gemeinsamen
Spaziergang statt.
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alt
Ja... zu alt... ich habe mich gefragt, ob ich
mich mit meinen 57 Jahren alt fühle.
Und ich hab gemerkt: ne, alt fühle ich mich
nicht.
Bei der Arbeit im Frauenhaus fragen mich manchmal
die Kinder, wie alt ich denn sei, und wenn ich
es sage, dann kommt: boh! So alt bist du schon.
Dann merke ich, dass es mit mir etwas macht.
Aber dieses Altfühlen, das kann ich erst
mal nicht.
Obwohl ich denke, ich müßte mich ja
eigentlich mit 57 auch schon älter fühlen.
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| Wenn
ich jetzt 65 wäre, dann würde
ich schon sagen: ich bin schon alt,
oder älter und mit siebzig würde
ich sagen, ja jetzt kommen wir schon
mal... alt... also wenn du schon 70
Jahre auf dieser Welt gelebt hast...
also 70 ist für mich eine Zahl,
wo auch alt hin paßt. |
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...
darüber reden wir dann mal wenn du 70 bist...
Jaja, ich merke, dass sich für mich alt immer
an einer Zahl festmacht.
Und dann die Frage: wie lange bist du denn jung?
Denn Alte können ja auch jung sein. Und ich
denke manchmal, ich als 57jährige habe Ideen,
da denke ich: also das macht man nicht mit 57, weil
da ist man ja schon gesetzter und älter, also
ich habe immer Zahlen, wenn ich mit dem Thema alt
beschäftigt bin.
... und wenn du die Zahlen wegnimmst, was ist denn
dann?...
Ja dann...
und wenn du nur das Wort alt nimmst... trifft es
im Moment auf dich zu?...
Dann fühle ich mich nicht alt. |
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...
kann es denn sein, dass es in deinem
Leben mal soweit kommt, dass du eine
alte Brigitte bist?...
Ja. Ich möchte 80 werden. Weil
ich wissen möchte wie das ist.
Mit soviel Lebenszeit hier auf diesem
Globus zu sein. |
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| Ich
würd gern malen mit 80. |
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...
kannst du dich sehen mit 80?...
Also ich möchte noch rüstig sein, dass
ich noch gehen, laufen
springen nicht mehr...
aber noch gut sehen und hören kann, und ich
möchte auch noch mit dem Leben zu tun haben.
Ich möchte nicht im Altenheim sein.
Aber vielleicht bin ich ja mit 80 im Altenheim,
man weiß es ja nicht, aber mein Wunsch ist
es nicht. |
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...
was wäre denn dein Wunsch, wie
könntest du es dir denn schön
mit 80 vorstellen?...
... schön mit 80... also ich würde
gern mit mehreren zusammen wohnen, ich
möchte nicht alleine sein, sondern
mit mehreren zusammen sein, wo man dann
auch nacheinander guckt, ja und das
reicht mir eigentlich schon, mit 80
möchte ich in einer Gemeinschaft
sein. |
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| Ich
glaube, in dem Alter, in dem ich jetzt
bin, da geht nochmal was ab. |
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| Also jetzt
möchte ich nicht immer in einer Gemeinschaft
sein, da genieße ich es auch, für mich
zu sein und meinen Raum zu haben, aber dann möchte
ich schon... sagen wir mal, angebunden an Freunde,
an Freundinnen, sein. |
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...
siehst du dich denn etwas tun mit 80?
Ich würd gern malen mit 80. Aber
vielleicht mach ich das ja auch schon
vorher.
Das könnte ich mir vorstellen,
wenn ich dann noch gut gucken kann,
malen mit 80,... ein bißchen im
Garten arbeiten... spazieren gehen,
draußen sein... |
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| Ich
möchte nicht im Altenheim sein. |
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Also
80 möchte ich schon noch werden.
Früher habe ich gesagt, ich möchte gern
so alt werden wie meine Mutter, (sie ist jetzt 96)
aber das sag ich nicht mehr, so einfach kommt mir
das nicht über die Lippen.
Ja alt... ohne Zahl ist alt auch so ein Stück
verbraucht, altes Gewebe, alte Bäume, vermodert,
nicht mehr so fest, alte Geschichten...
... aber wenn ich dich richtig verstehe, fühlst
du dich doch davon noch entfernt...
Ja es ist so, dass ich weiß, die 60 steht
ja schon vor der Tür, die klingelt ja schon.
Es ist immer das, was in meinem Kopf ist: mit 60
wirst du pensioniert, dann hörst du auf zu
arbeiten, dann gehst du in Rente, und dann spielst
du nicht mehr so richtig mit. |
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Und
ich empfinde, dass ich dann doch eigentlich
noch machen kann, was ich will. Ich
bin an keine Zwänge mehr gebunden,
muß nicht mehr da und da hin und
kann es mal einfach kommen lassen. Allein
die Vorstellung, dass ich nun Zeit habe,
das zu tun, was ich will, davon hab
ich immer geträumt, und wenn das
jetzt Wirklichkeit wird, dann weiß
ich garnicht, was das mit mir macht.
Vielleicht komme ich ja noch auf Ideen,
von denen ich jetzt noch garkeine Ahnung
habe. Ich hab eher dieses Gefühl,
da tut sich ein Tor auf, von dem ich
immer gesagt hab: boh, wenn ich das
mal erreicht habe, dann machts... mhmhmh...
ja und ich hab grad das Gefühl,
vielleicht passiert da nochmal was ganz
anderes. Von dem ich keine Ahnung habe. |
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| Wild
ist für mich auch, in den kreativen
Prozeß zu gehen. |
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... und wie paßt alt dazu?... kommt
da alt drin vor?...
Ja in diesem neuen Lebensabschnitt kommt Alter
vor, denn ich tu es erst, indem ich soundso alt
bin, und dann weiß ich auch, da kommt das
eine oder andere, wenn es nicht mehr so gut geht,
was weiß ich, also meine Jahre...
Ich glaube, durch den Freiraum kann ich in meinem
Alter noch neue Sachen entdecken, und ich kann
diese Sachen jetzt anders entdecken als mit 35.
Ich glaube auch mit meiner Lebenserfahrung, die
ich habe, mache ich eine andere Tür auf als
mit 35. Und da kommt Alter drin vor, weil ich
glaube, ich werde auf gewisse Dinge meiner Lebenserfahrung
entsprechend reagieren. Oder sagen: ne, das nicht
mehr, weil das reicht mir, besser eine andere
Tür.
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wild
... ja warum mir das wild zwischen alt und weise
auch gefällt, ist, wie ich eben schon erwähnt
habe, der neue Raum, den ich betrete, der läßt
auch was Wildes zu, also die Möglichkeiten,
die sich da auftun, die können auch wild sein.
Da ist Platz dafür, trotz des Alters.
... wo ist sie denn jetzt, deine Wildheit?...
Ich bin grad am Gucken, wo bin ich denn jetzt wild?...
also wild finde ich, dass ich mir da oben das Stück
Land gekauft habe... wenn ich jetzt hier bin (in
Spanien), denke ich, das ist schon eine ganz verrückte
Idee... das könnte man wild nennen, wenn ich
mich da oben hinsetze an diesen Platz .
Aber jetzt in Bezug auf den Alltag, den ich in den
letzten vier Jahren gelebt habe, weiß ich
nicht, wo die Wildheit da geblieben ist.
Wild kenne ich natürlich von mir, wenn ich
wild tanze, da kann ich schon wild mit verbinden.
Für mich hat das sehr viel mit Bewegung zu
tun, wild sein, oder wilde Ideen zu haben, oder
die auch auszuführen. |
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Ich erlebe
mich grade, dass ich da, wo ich wild bin, versuche,
in der Norm noch Nischen zu finden, um dieser Energie
nachzugeben, oder anderen einen anderen Dreh im
Leben zu geben als nur einfach eins-zwei-drei-vier-fünf-sechs-sieben.
Und dazwischen gibt es ja immer noch ganz viele
andere Dinge.
Aber ich erleb mich jetzt nicht, dass ich da ständig
mit beschäftigt bin.
Wild hat für mich auch viel mit Freiheit zu
tun. Mich bewegen zu können, ohne immer wieder
an Grenzen zu stoßen.
Ich glaube, wenn jetzt dieser Freiraum auf mich
zukommt, dann könnte ich ja wild vor mich hin
leben, so wie ich für mich das grade richtig
finde. |
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...
und was hat das mit dir zu tun?...
Ja das habe ich mich auch gerade gefragt. Beim Überlegen:
was ist denn wild, da kamen mir Bilder von den wilden
Tieren, die in ihrer Steppe laufen können wohin
sie wollen, und da gibt es erstmal keine Begrenzung
augenscheinlich
keine Begrenzung...
Wild kann natürlich auch Angst machen... |
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... was könnte denn passieren?...
Aufgabe von Kontrolle
.dass es explodiert.
Und eigentlich denkt man ja, diese Kombination
alt und wild, das geht nicht, weil wild ist man
mit 25 und spätestens mit 30, 35 ist es dann
gut.
Und ich finde, grade in dem sogenannten Altsein
hast du nochmal die Möglichkeit, eine andere
Form von Wildheit... aber ich weiß es ja
noch nicht, aber ich glaube daran, dass es möglich
ist.
weise
... weise, weise, weise, ja
weise, die Weisheiten
des Alters. Weise, viele Lebenserfahrungen, Gelassenheit,
den Durchblick und eine ganz bestimmte Art von
Ruhe verbinde ich mit dem Wort weise.
Ich glaube, ich bin manchmal weise und habe eine
Ahnung davon, was weise ist.
Ich glaube manchmal habe ich so ein paar Einsichten,
aber ich glaube, ich habe da noch einen Weg vor
mir.
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Ich
wünsche mir, dass ich im Alter
weise bin.
Weise heißt auch für mich,
da brauchst du dir über viele Dinge
keine Gedanken mehr zu machen, weil
du ja den Durchblick hast.
Bei weise kommt ganz viel Ruhe... In-sich-ruhen,
das verbinde ich auch mit weise
aber
keine Ruhe, die langweilig ist
In-sich-ruhen
ist ein schöner Begriff, und dieser
Stein ist auch grau meliert, oder ist
der silbern ?... |
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| Ich
habe immer Zahlen, wenn ich mit dem
Thema alt beschäftigt bin. |
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... die sind alle gleich grau...
Ne, also den finde ich besonders grau... und rund,
der ist runder als die anderen
und Weisheit
ist für mich auch etwas Rundes.
Da fällt mir auch das Wort Erleuchtung zu
ein. Weisheit und Erleuchtung gehört für
mich zusammen. Ich glaube auch, dass du ohne eine
Portion Wildheit nicht weise werden kannst.
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